Einatmer oder Ausatmer – bitte, was?!
Vielleicht hast du schon einmal von der Atemtypenlehre gehört – wenn du Mitglied in meiner Gesangsklasse bist, stellt sich die Frage natürlich nicht. Aber was ist das eigentlich genau?
Die Methode geht auf den Geiger Erich Wilk zurück, der Mitte des 20. Jahrhunderts herausfand, dass manche Menschen die Einatmung als den Bewusstsein schaffenden, Kraft spendenden und aktiven Teil ihres Atemrhythmus empfinden, andere wiederum die Ausatmung. Er ging davon aus, dass die Stärke von Sonneneinfluss oder Mondeinfluss zum Zeitpunkt der Geburt einen Einfluss auf die Ausbildung der Atmung und der gesamten Konstitution des Menschen hat. Deshalb spricht man auch von „solar“ oder „lunar“. Dieser Unterschied wirkt sich stark auf die Körperhaltung im Allgemeinen, auf das Ausführen von Bewegungen und natürlich auf das Singen aus.
Weiterentwickelt wurde die Lehre vor allem von Dr. Charlotte Hagena und ihrem Sohn Dr. Christian Hagena, die als Ärzte unter der Berücksichtigung der Atemtypologie im medizinischen Bereich große Erfolge erzielen konnten.
Im gesangspädagogischen Bereich verdanken wir die differenzierte Ausarbeitung der konkreten Anwendung auf die Stimme in erster Linie meiner mittlerweile verstorbenen Maestra Brigitta Seidler-Winkler, von der ich viele Jahre lang lernen durfte. Ich und meine Kolleg*innen konnten in unzähligen Einzelstunden und Gruppenseminaren die verblüffende Wirkung der Lehre am eigenen Leib erfahren.
So würde ich das Gesangs-Gefühl beschreiben, das im Laufe der Zeit in mir gewachsen ist:
„Im eigenen Atemtyp zu singen fühlt sich an wie Zuhause zu sein: sicher, wohlig und selbstverständlich.“
Was bedeutet das für dich als Sänger*in?
In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der Gesangspädagogik verschiedenste, teils recht gegensätzliche Methoden geprüft und diskutiert, meist unter dem Gesichtspunkt: Was ist denn nun die RICHTIGE Technik? Wie genau geht eigentlich Singen?
In der Atemtypenlehre gehen wir davon aus, dass eben nicht alle Stimme gleich funktionieren:
- Aktive Einatmer (lunar) gestalten ihren Ton im Voraus während der Einatmung und singen mit zurückgehaltener Luft. Ihr Klang strahlt zentriert und hat einen starken Kern.
- Aktive Ausatmer (solar) führen ihren Ton bewusst auf dem Atemstrom und atmen passiv ein. Die Stimme klingt weich und angenehm fließend.
Bist du neugierig geworden? Welcher Atemtyp bist Du? Erfahre hier mehr: https://hagena.info/
Du kannst auch einen Schnelltest anwenden: Hebe einen Wasserkasten oder etwas ähnlich Schweres hoch. Was gibt dir mehr Energie, dabei einzuatmen oder auszuatmen?
Du hast Fragen dazu? Melde dich gerne bei mir!