Das Klangwunder unserer Welt in mir zu erfahren, das ist mein täglicher Luxus als Sängerin, wenn ich mich immer wieder neu darauf einlasse. Heute habe ich endlich mal Zeit um mich wirklich dem Lesen zu widmen, dem Verstehen, dem Wirkenlassen der Wörter. Es ist Raum da für eines meiner Lieblingsbücher von Joachim Ernst Berendt: „Musik und Spiritualität.“ Als einer der renommiertesten Musikjournalisten, auch bekannt als der „Jazzpapst“, ergründete er wie kein anderer die Zusammenhänge von Musik, Naturwissenschaft und Spiritualität.
Er schrieb über „Nada Brahma“, ein aus dem Sanskrit stammendes Konzept, das übersetzt „Die Welt ist Klang“ bedeutet (Nada = Klang, Brahma = Schöpfer/Absolutes). Es besagt, dass das Universum und alles darin – Energie, Materie, Schwingungen – aus einer Ur-Schwingung entstanden ist. Klang ist demnach das grundlegende, göttliche Prinzip.
Wenn Musik mir manchmal fast zum Alltag wird, wenn die sich einschleichende Routine als Berufssängerin das Staunen, die Faszination für das Klangwunder unserer Welt zu überlagern beginnt, dann brauche ich Zeit mit diesem Buch, damit mein Herz, meine Seele und mein Geist wieder im Einklang miteinander singen. Damit ich mich wieder als Musikerin mit dem Großen Ganzen verbunden fühle. Es lässt mich erneut begreifen, warum Singen solch ein Urbedürfnis des Menschen ist.
Dort wird der Physiker George Leonard zitiert: „Die Tiefenstruktur der Musik ist identisch mit der Tiefenstruktur aller Dinge.“ Denn sie ist Nada Brahma, göttlicher Klang.
Der Dirigent Celibidache beschrieb es in einer Probe der h-Moll-Messe so: „Hört einfach die Engel im Himmel singen und singt mit.“
Diese Verbindung zu spüren tut uns gut, wenn wir Musik machen, auch wenn wir Musik hören. Wir werden zu einer Saite auf dem göttlichen Instrument der Schöpfung, zu einer Note in der kosmischen Symphonie. Wir sind, fühlen und atmen Klang, als jeden Tag gelebtes Wunder ❤️.