Heute möchte ich dir erzählen, was eigentlich mit dem Körper und der Stimme passiert, wenn wir in unserem eigenen Atemtyp singen. An jedem Unterrichtstag darf ich das live in meinem Musikzimmer erleben und mich daran erfreuen, wie sich die Energie und die Gesichtszüge meiner Schüler*innen verändern, sich entspannen, aufleuchten.
Stell dir vor, du darfst es dir beim Singen bequem machen, so richtig bequem. Du findest die für dich stimmige Sitzhaltung und den optimalen Stand; du fühlst dich leicht, voller Energie und gleichzeitig stabil.
Die Einatmer dürfen sich im Sitzen an eine hohe Rückenlehne ankuscheln, sind dadurch im Brustkorb weit und offen. Gleichzeitig ruht das Gewicht des Beckens hinter den Sitzbeinen, die Beine sind ausgestreckt. Ja, so kann man singen! Und zwar richtig gut!
Diese Haltung begünstigt das Singen im „Sog“, also mit dem Gefühl den eigenen Ton während des Singens einzuatmen, zu trinken.
Hier grafisch dargestellt:
https://hagena.info/lunares-sitzen.html
Die Ausatmer balancieren hingegen auf der Stuhlkante, der Körperschwerpunkt ist nach vorne geneigt. Das Becken bleibt beweglich, die Füße sind aufgestellt.
So kommen sie beim Singen in einen konstanten, bewusst nach vorne gerichteten Luftstrom, dem „auf dem Atem singen“. Meine solaren Kollegen beschreiben es gerne als „Strömen, Seufzen oder Schwärmen“
https://hagena.info/solares-sitzen.html
Diese beiden Arten zu singen fühlen und hören sich natürlich vollkommen unterschiedlich an! Dazu möchte ich meine Kollegin und Lehrerin Doris Steffan-Wagner zitieren:
„Im falschen Atemtyp zu singen, bedeutete für mich Schwergängigkeit, Anstrengung, häufig auftretende Heiserkeit, schnelle Stimmermüdung, keine tragende Stimme, Unsicherheit, Ängste!
Mich in mir verankern und erst so richtig zu mir selbst finden – das verdanke ich der Atemtypologie. In meinem (lunaren) Atemtyp zu singen, bedeutet für mich abrufbare Sicherheit, gewachsenes Selbstbewusstsein, Stimmigkeit, Wohlfühlen, Glück pur!!!“
Und genau das beobachte ich im Unterricht bei meinen Sänger*innen:
Sie finden durch gezielte Übungen den Weg in ihren Atemtyp und es macht „Klick“: Sie strahlen mich an und sagen „Das fühlt sich gut an!“ oder „Das geht ja ganz leicht!“
Die Stimmen gewinnen an Kraft und an Flexibilität; unkontrolliertes Vibrato oder ein Behauchen der Stimme lassen sich besser regulieren.
Es entsteht das Gefühl, verlässlichen Zugriff auf den eigenen Klang zu haben. Und das ist wundervoll, denn Singen kann sich manchmal wie ein Griff in eine Nebelwand anfühlen. Als wüsste man zwar, wie man klingen möchte, aber würde den Weg nicht finden, diesen Klang zu produzieren.
Du hast Fragen dazu? Melde dich gerne bei mir!